Montag, 10. Juni 2013

Tor auf, Tor zu

Frisch gedruckter Führerschein. 1. Fahrt mit neuem Käfer in die Garage. Kotflügel vorne rechts. Quietsch. Kotflügel hinten links. Quietsch. Motor aus. Tor zu.
Foto Copyright @ Fürtherin

August -Oktober

Tina ausgezogen, Bernd bleibt bei seinem Vater im Haus. Umzug in meine neue, alte Wohnung mit Lisa und Hund. Lisa zieht aus, der Hund stirbt. Ich bin alleine.
Foto Copyright @ Fürtherin

Nonnenbunker


Ich stehe neben der hölzernen Schulbank stramm. Meine rechte Hand liegt ordentlich auf der abgeschrägten Tischplatte. Nur mein Zeigefinger fährt in klitzekleinen Kreisen über das eingeritzte Herz.
Fräulein Pritorious steht hinter ihrem Pult und tippt immer wieder auf das Heft vor ihr. Mein Heft. Eine sechs. In Englisch. Wieder.
Über und hinter ihr an der Wand hängt am hölzernen Kreuz ihr toter Jesus. Ihr Mund geht auf und zu. Worte mit Spucke angereichert werden aus dem Vulkanschlund heraus gespeiht. Sie fallen vor der ersten Schulbank ins Nichts. Ich bin mitten drin, im Stummfilm.
Eine dunkelblond, melierte Haarsträhne löst sich aus ihrem Dutt. Unverschämt. Energisch streicht sie sich mit der Linken die Knopfleiste ihrer Twinset Jacke über ihre flache Brust gerade. Ob sie, wie die Nonnen hier im Mädchengymnasium, ihre Brüste platt an den Körper bindet?
Ein Knall! Mit der flachen Hand hat sie auf mein Heft geschlagen.  Ihre roten Bäckchen vibrieren, als wollten auch sie ausbrechen. Mit einem energischen Ruck wird die vorwitzige Haarsträhne lang und glatt gezurrt und an Ort und Stelle wieder in den Haarclips eingeklemmt.

Wie in Zeitlupe bücke ich mich herunter, löse meinen Ranzen vom Haken, packe Buch und Stifte hinein, schultere ihn, schlängle mich durch die Reihen und  im hohen Bogen am Pult vorbei. Nie wieder betrete ich diesen Nonnenbunker.

Sonntag, 9. Juni 2013

Dann doch

Letzte
Tage, Stunden,
Minuten, Sekunden. Abschieden
folgen Ankünfte, Enden werden
Anfänge














Foto Copyright @ Fürtherin

Prüfung

Die Spannung lässt nach, die letzten Buchstaben kratzen sich in das billige Papier.

Kopf leer, Körper müde, die verkrampften Finger finden Ruhe.

Abschluss geschafft.
Foto Copyright @ Fürtherin

Regentropfen

Tropf, tropf, schwerer Regenguss, tropf, tropf, tropf...

Der letzte Regentropfen versickert sicherheitshalber noch in der trockenen Erde, damit die heiße Augustsonne ihn nicht noch in Dunst auflöst.
Foto Copyright @ Fürtherin

Ein Ende

Tock, tock, tock, Gong...... 
Aufstehen, Hände falten, verbeugen. 
Den Raum verlassen, ihn mit Verbeugung verabschieden. 
Gehen. Ein bis zwei Runden um das Zendo herum. 

Liebgewonnene Routine in der völligen Stille. Diese endet heute jäh mit dem Gong. 

Jeder nimmt das, was er am ersten Tag an seinen Platz drapiert hat wieder mit. Unruhe die diesem Ort unwürdig erscheint. Die Schleier sind gefallen, die Achtsamkeit, die man tagelang trainiert hat, stürzt in ein Zivilisationsloch. Auf einmal ist die Ruhe weg. Der Kokon in dem man tagelang fern der Welt lebte, bekommt böse Risse. Die Welt und der Lärm dringt ein, erreicht den Kopf, macht Töne hörbar, für die man noch nicht bereit ist. Man wirft Blicke die die Hülle weiter aufsprengen. Die Neugierde dringt ein und man verlässt sich und seine eigene Welt, den eigenen, schwer zurück erkämpften Mikrokosmos. In einem schreit es, man will da nicht raus. Eine Woche vorbei? Die Gedanken schlagen wieder Purzelbäume. Wie wird Morgen früh das Abgeholt werden? Es klopft das schlechte Gewissen von hinten an die Schulter, dass man keinen einzigen Gedanken an die Lieben daheim verschwendet hat. Will ich den Abend ruhig abschließen oder will ich mich unter die Menschen mischen, die ich nur auf einer anderen Ebene kennengelernt habe. Einer, die mir bisher völlig fremd war. Das neue Gemeinschaftsgefühl, das sich aufgebaut hat über Berührung und ohne Worte wird zerbrechen. Spätestens nach dem Frühstück. 

Der Abend in Gesellschaft ist schön und traurig zugleich. Heiterkeit, ein Geburtstag, sogar eine Gitarre. Aber da ist auch eine Traurigkeit, denn ein paar Menschen, die man heute Abend doch nicht trifft, weil sei die letzte Ruhe vor der Welt gewählt haben, macht sich breit.

Nähe, Wärme, Menschlichkeit die man von völlig fremden Menschen bekommen hat, die man aber nun wieder gehen lässt, schleichen sich weg. Katerstimmung wie bei einer Klassenfahrt, weil Morgen alles vorbei ist. Nur, dass die Klasse sich danach noch hat, die Gruppe hier aber in alle Windrichtungen verstreut sein wird. Der Austausch der Telefonnummern, der zu vereinzelten Kontakten führt, die sich nicht aufrecht erhalten lassen werden. Man weiß es, tut es aber trotzdem, weil man damit versucht, den Moment, die Stille, die Gefühle, die Geborgenheit festzuhalten. Der Versuch damit ein Stück in den Alltag zu retten. Man lernte viel über sich und die Anderen. Der Intuition zu folgen, den richtigen Moment zu finden. Loszulassen und im ich zu schweben und im Gegensatz zu sonst mal 100 % man selbst zu sein und keine Rolle zu bedienen.


Tock, tock, tock, Gong.....

Foto Copyright @ Fürtherin